Vor ein paar Wochen durften wir das Cheltenham Ladies’ College besuchen – eine traditionsreiche Mädchenschule im Herzen der charmanten Stadt Cheltenham, zwei Stunden westlich von London. Schon beim Betreten spürt man den besonderen Zauber: efeubewachsene Gebäude, hohe Korridore, gemütliche Bibliotheken, gepflegte Gärten – ein bisschen magisch! Und was auch sofort ins Auge sticht, sind die jungen Frauen, die diese Schule mit Leben füllen: selbstbewusst, ambitioniert und voller Energie.
Geführt wird die Schule von Eve Jardine-Young, einer inspirierenden Schulleiterin, die für ihre Leidenschaft für Bildung bekannt ist. Bevor sie ans Cheltenham Ladies’ College kam, hatte sie bereits internationale Anerkennung als Reformerin des Bildungssystems in Malawi erlangt, wo sie aufgewachsen ist. Dort engagierte sie sich für inklusive Bildung, die Förderung von Mädchen und die Integration der Landessprachen in den Unterricht – ein Ansatz, der Bildung nicht als Privileg, sondern als Motor gesellschaftlicher Veränderung versteht. Heute prägt sie Cheltenham mit derselben Überzeugung: Bildung soll Mädchen befähigen, selbstbewusst ihren eigenen Weg zu gehen.
Beim Rundgang durch die Schule spürt man sofort die warme und respektvolle Atmosphäre. Die Mädchen begegnen einander freundlich, grüßen mit einem Lächeln – man merkt, dass sie sich hier wirklich wohlfühlen. Eine sympathische österreichische Schülerin führte uns durch das Haus, und ich fragte sie, ob sich manchmal typische „Mädchencliquen“ bilden, die andere ausschließen (man weiß ja nie). Sie schmunzelte und antwortete: „Nein, ganz und gar nicht.“ Natürlich entstehen Freundeskreise wie überall, aber Rivalitäten oder Ausschluss gibt es hier nicht.
Ein zentrales Anliegen der Schule ist es, junge Frauen in ihrer gesamten Entwicklung zu fördern – akademisch, sportlich und persönlich.
„In einer Mädchenschule gibt es nichts, was off limits ist. Du kannst im Cricket-Team spielen, in der Theateraufführung die Hauptrolle übernehmen oder dich in den Naturwissenschaften ausprobieren – alles steht dir offen“, erzählt Mrs Victoria Davidson, eine Houseparent der Schule.“ Mrs Victoria Davidson, eine Houseparent der Schule.
Freiheit von Stereotypen
Geschlechterklischees spielen an Mädchenschulen keine Rolle. Es gibt kein „Mädchenfach“ oder „Jungenfach“. Man entscheidet einfach nach Interesse, nicht nach Erwartung. Studien des Institute of Physics zeigen, dass Schülerinnen von reinen Mädchenschulen deutlich häufiger Physik bis zum A-Level belegen als Mädchen aus koedukativen Schulen – Tendenz steigend.
Gleiches gilt für den Sport: Gerade in einem Umfeld ohne Wettbewerbsdruck zwischen den Geschlechtern trauen sich Mädchen eher, Neues auszuprobieren – sei es Rugby, Fußball oder Cricket.
Führung und Verantwortung
Mädchenschulen vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern fördern gezielt Führungsqualitäten. Ohne den Jungen im Klassenzimmer übernehmen Mädchen selbstverständlich Verantwortung – sei es als Klassen- oder House Captain. Dabei entwickeln sie Mut, Initiative und Teamgeist!
Akademische Förderung
Die Ergebnisse sprechen für sich: Schülerinnen von GSA-Mädchenschulen (inklusive Cheltenham Ladies’ College) erzielen regelmäßig überdurchschnittlich viele Top-Noten. In vielen dieser Schulen ist Mathematik das beliebteste A-Level-Fach; in Physik stellen GSA-Schülerinnen rund 13 % aller Prüfungen, aber fast ein Viertel der Bestnoten – ein starkes Zeichen für akademisches Selbstvertrauen.
Im Fall des Cheltenham Ladies’ College sollte man jedoch betonen, dass es sich von vornherein um eine Schule handelt, in die man nur schwer aufgenommen wird – eine Schule für besonders leistungsstarke und motivierte Schülerinnen. Der Unterrichtsstandard ist hoch, die Erwartungen ebenso. Wer hier lernen möchte, braucht nicht nur Neugier, sondern auch Engagement und Ausdauer.
Was macht eine Mädchenschule aus?
An unserem Besuchstag fiel immer wieder ein Wort – „Sicherheit“. Auch die Schülerinnen erwähnten es: Sie fühlen sich sicher, so zu sein, wie sie sein wollen – laut oder leise, sportlich oder kreativ. Hier darf jede ihren eigenen Weg gehen. Unter Mädchen zu sein bedeutet auch, sich gegenseitig zu unterstützen und zu verstehen, weil man ähnliche Erfahrungen teilt.
Die Mädchen dürfen sich ausprobieren, ohne in Rollenklischees gedrängt zu werden. „Vermisst ihr etwas?“ – fragen wir. Ein entschiedenes „Nein!“ kommt zurück.
Das Cheltenham Ladies’ College zeigt eindrücklich, dass Bildung für Mädchen weit mehr bedeutet als Unterricht. Sie ist ein Fundament für Selbstvertrauen, Verantwortung und Lebensfreude für das was später auf sie zukommt – und für das sichere Gefühl, dass alles möglich ist.
Quellen:

